Theologie Studieren in Tübingen

Tübingen, Neckar mit Hölderlinturm
Tübingen, Neckar mit Hölderlinturm

 

Sinn suchen Glauben verstehen Kompetenz erwerben

Wirklichkeit wahrnehmen Wahrheit erfahren


In der Moderne hat jeder die Wahl, sich an vorgegebene Meinungen anzupassen oder sein Leben aus eigener Einsicht und Überzeugung zu führen und einen eigenen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten. Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit verlangen nicht nur ausreichende Kenntnisse über die gegenwärtige Situation, sondern vor allem ein Verständnis für das Wesen, den Sinn und den Zweck des Menschseins. Nur so gelingt es, unter den vielen möglichen Entwicklungen des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens die lebensdienlichen von den lebensfeindlichen zu unterscheiden und sich entsprechend zu entscheiden.

Die pluralistische Gesellschaft zeichnet sich durch eine Vielzahl leitender Lebensauffassungen nebeneinander aus. Wie soll in dieser Situation das gemeinsame Leben gelingen? Der Versuch, sich über alle Positionen auf eine neutrale Ebene zu erheben, ist aussichtslos. Solche Neutralität gibt es in der Geschichte nicht. Um so wichtiger ist, daß jeder einzelne seine Überzeugung daraufhin befragt, wie sie begründet ist und welche Kriterien das eigene Handeln leiten. Nur dann gelingt es, auch andere Überzeugungen, deren Wahrheitsanspruch nicht geteilt werden kann, im politischen Gemeinwesen als gleichberechtigt anzuerkennen.

Geschichte verstehen Gesellschaft gestalten

Die Zukunft des Gemeinwesens hängt davon ab, daß die maßgebenden und tragenden Lebensüberzeugungen unseres Landes von authentischen Vertretern weitergegeben werden. Nur so sind Literatur, Musik und Kunst zu verstehen. Wer die eigene Geschichte versteht, versteht sich selbst besser und kann daher auch fremde Überzeugungen gelten lassen.

Das Christentum ist eine der wichtigsten Quellen für eine kritische Würdigung der Chancen und Gefahren unserer Gegenwart. In den Gemeinden, Kirchen und Schulen werden Pfarrerinnen und Pfarrer, Lehrerinnen und Lehrer gebraucht, die die christliche Tradition auslegen und in lebensdienlicher Weise weiterentwickeln.

Sie brauchen dazu eine tragfähige wissenschaftliche Grundlage. Deshalb ist das Theologiestudium für diese Berufe die erste Phase der Ausbildung. Im Bereich der Württembergischen Landeskirche wird es an der Evangelisch-theologischen Fakultät Tübingen absolviert.

Theorie für die Praxis: Das Studium

Das Studium umfaßt die fünf Hauptfächer Altes Testament, Neues Testament, Kirchengeschichte, Systematische Theologie mit den beiden Hauptzweigen Dogmatik und Ethik sowie Praktische Theologie mit ihren Hauptfächern Seelsorgelehre, Lehre vom Gottesdienst, Gemeindeaufbau, Religionspädagogik.
Für das Studium der biblischen und historischen Fächer sind die drei alten Sprachen erforderlich (im Lehramtsstudium nur zwei), das Studium der Systematischen Theologie schließt die Beschäftigung mit philosophischen Texten ein, Ethik und Praktische Theologie verlangen das Gespräch mit den Humanwissenschaften (Biologie, Psychologie, Soziologie). Ökumene und internationaler Wissenschaftsaustausch setzen die Kenntnis lebender Fremdsprachen voraus, zumindest des Englischen.
Die Regelstudienzeit beträgt neun Semester. Dazu kommen höchstens drei Semester für die alten Sprachen. Das Studium gliedert sich in ein Grundstudium mit Zwischenprüfung und ein Hauptstudium, das beim Pfarramtsstudiengang mit dem Ersten Theologischen Examen (entweder als Kirchliches Examen oder als Diplomexamen) und beim Lehramtsstudiengang mit dem Ersten Staatsexamen abgeschlossen wird. Darauf folgt die zweite Ausbildungsphase (Vikariat, Referendariat), die mit dem Zweiten Theologischen Examen bzw. mit dem Zweiten Staatsexamen schließt. Beide Phasen sind aufeinander bezogen und bilden eine Einheit. Mit ihrem Durchlaufen ist die Ausbildung zum Pfarramt bzw. zum Lehramt abgeschlossen.

Theologische Existenz: Soziale Kompetenz für unsere Gesellschaft

Die Orientierung am Beruf des Pfarrers und Lehrers schließt nicht aus, daß vollausgebildete Theologinnen und Theologen (nach Abschluß des ersten und zweiten Examens) auch an anderen Stellen beruflich erfolgreich tätig sein können. Durch die sprachliche, historische, logische, philosophische und humanwissenschaftliche Schulung im Studium und die praktische Ausbildung in der zweiten Phase haben Theologinnen und Theologen die Fähigkeit erworben, dem Zusammenhalt und der Struktur einer Gemeinschaft durch Orientierung an ihrem maßgeblichen Leithorizont zu dienen. Das ist eine hohe soziale Kompetenz, die an vielen Stellen unserer Gesellschaft gebraucht wird.

Das Theologiestudium bietet wie kein zweites die Chance, zwei Ziele gleichzeitig zu verfolgen und zu erreichen:

  •     die persönlichen Fragen nach dem Lebenssinn zu klären
  •     und eine wertvolle berufliche Kompetenz zu erwerben.


Weitere Informationen auch über Kontaktfreizeiten beim

Dekanat der Evangelisch-theologischen Fakultät Tübingen