Dr. Leopold Lucas-Nachwuchswissenschaftlerpreise

Das Gedächtnis des Rabbiners von Glogau und Lehrers der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums wird stiftungsgemäß durch einen Preis geehrt, der jährlich in zwei Gestalten zu verleihen ist. Einerseits in Gestalt des Dr. Leopold-Lucas- Nachwuchswissenschaftlerpreises, der für hervorragende Leistungen junger Wissenschaftler einmal in 4 Jahren in einem der von Dr. Lucas selbst gepflegten Gebiete Philosophie, Geschichte und Theologie auf Vorschlag der betroffenen Fakultät vom Rektor vergeben wird, andererseits in Gestalt des Dr. Leopold-Lucas-Gedächtnispreises, den die Evangelisch-theologische Fakultät für einen herausragenden international wirksamen Beitrag zur Wissenschaft sowie zur Verständigung zwischen den Kulturen zur Förderung von Toleranz und Humanität vergibt.

 

Der Leopold Lucas-Preis für Nachwuchswissenschaftler 2017 geht an Herrn Dahan Fan, China

 

Dahan Fan (geb. 1979 in der chinesischen Provinz Hebei) studierte an Chinas führender Hochschule, der Beida (Peking University) Philosophie, Ökonomie und Germanistik. Anschließend kam er nach Tübingen, um seine Studien fortzusetzen und seine Promotion abzuschließen. Seine (in Deutsch geschriebene) Dissertation wurde von Professor Otfried Höffe betreut und mit der höchsten Note bewertet. Sie beschäftigt sich mit der sowohl für die Kantforschung wie für die Ästhetikforschung wichtigen Frage nach der Interesselosigkeit im Bereich des Schönen und Erhabenen. Durch eine überaus gründliche und philosophisch umsichtige Interpretation sei es ihm hierbei gelungen, sowohl die bisherigen Forschungsansätze weit hinter sich zu lassen, als auch das Thema mit einer neuen Klarheit zu entfalten, sagt Professor Höffe.
Foto: privat

 

Der Dr. Leopold Lucas-Preis wurde 1972 von Generalkonsul Franz D. Lucas, Ehrensenator der Universität Tübingen, gestiftet ‒ aus Anlass des 100. Geburtstages seines Vaters, des jüdischen Gelehrten Dr. Leopold Lucas. Dieser wirkte als Rabbiner in Glogau und zuletzt an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin und kam 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt ums Leben. Der zu seinem Gedächtnis gestiftete Preis wird jährlich von der Evangelisch-Theologischen Fakultät im Namen der Universität Tübingen verliehen.

 

Zu den bisherigen Preisträgern gehören Gelehrte wie Schalom Ben-Chorin (1974), Karl Raimund Popper (1981), Karl Rahner (1982), Fritz Stern und Hans Jonas (1984), Paul Ricoeur (1989), Moshe Zimmermann (2002), Dieter Henrich (2008) und Seyla Benhabib (2012) aber auch Repräsentanten religiösen Lebens wie der 14. Dalai Lama (1988) sowie Vertreter aus Kultur und Politik wie der senegalesische Dichter und Staatspräsident Léopold Sédor Senghor (1983) und Altbundespräsident Richard von Weizsäcker (2000). Im vorigen Jahr wurde der polnische Lyriker und Essayist Adam Zagajewski ausgezeichnet.