Projekt von Susanna Hübschmann

 

»Poietik der Unendlichkeit«

 

Im ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit, namentlich bei Nikolaus Cusanus und Giordano Bruno, werden vor einem platonisch-/neuplatonischen Horizont Unendlichkeitskonzepte entwickelt, die den Anknüpfungspunkt für die transzendentalphilosophische Reflexion auf das Unendliche in der deutschen Frühromantik darstellen. In der für die Romantik charakteristischen symbiotischen Verschränkung von Philosophie und Kunst, in der die Kunst das Komplement der Philosophie darstellt, soll  die philosophische Reflexion auf das Unendliche durch die Darstellung in der Kunst ergänzt werden, so dass auch die poetologischen Schriften dieser Zeit ihren Fokus auf die Darstellung eines Undarstellbaren, die Unendlichkeit, richten.  Die hier in der Theorie entwickelten Verfahrensweisen zur textuellen Abbildung des Unendlichen, wie beispielsweise das Fragment oder die Arabeske, gelangen in der Moderne zu spezifischen Realisierungen und sind als ein zentrales Moment ihrer Literatur zu sehen.

 

Dieses Dissertationsprojekt analysiert und präsentiert in systematischer Weise Figurationen des Unendlichen. Ziel ist es zu zeigen, dass bestimmte Darstellungsverfahren, die als Proprium der  Literatur der Moderne gelten, Ausdruck und Folge der durch die platonische und neuplatonische Philosophie beeinflussten Unendlichkeitskonzepte der frühen Neuzeit sind.