Hintergrundinformationen

Das Praktikum

 

Das Praktikum ist an der Idee einer engen Verbindung zwischen Wissenschaftlicher Theologie und kirchlicher Praxis im Studium orientiert. Die Vor- und Nachbereitung des Praktikums soll im Rahmen des akademischen Studiums stattfinden, um  Theorie und Praxis besser aufeinander beziehen zu können.

 

Die Praktikumserfahrungen können für die weitere Gestaltung des Studiums wichtige Impulse geben, indem das Praktikum gegen Ende des Grundstudiums und zu Beginn des Hauptstudiums verortet wird. Seine Impulse sollen in das Hauptstudium einfließen können.

 

„Erfahrungen mit der gegenwärtigen Situation von Kirche, Gemeinde und Pfarrdienst und deren theologische Reflexion können dazu dienen, Fragestellungen für das weitere Studium zu entwickeln und die Einsicht in deren Relevanz zu vertiefen. Zudem können die Studierenden durch ein Praktikum darin gefördert werden, eigene Vorstellungen vom Auftrag des Pfarrdienstes unter den Bedingungen des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens der Gegenwart zu gewinnen.“ (Richtlinie für das Praktikum)

 

Vorbereitung und Auswertung

 

Das Modul (EvTh-PT 1.2) umfasst neben dem 4wöchigen Praktikum eine auf das Praktikum vorbereitende Lehrveranstaltung (Übung, Pro- oder Hauptseminar) im Umfang von 2 SWS. Die Lehrveranstaltung wird mit einer Blockveranstaltung verbunden, in der die Praktikumserfahrungen auswertet werden können, indem diese in der Gruppe ausgetauscht und auf den Theorieteil in der Lehrveranstaltung reflexiv zurückbezogen werden können.

 

Die semesterbegleitende Lehrveranstaltung, die als Vorbereitung auf das Praktikum ausgewiesen wird, ist dem Themenfeld 1: Kirchentheorie, Prinzipienlehre, Pastoraltheologie und Kasualtheorie zugeordnet. Damit ist gewährleistet, dass die Themen in einem engen Zusammenhang mit dem Auftrag des Pfarrdienst stehen, aber auch eine Vielfalt geboten wird, die dem dynamischen Wandel des Pfarramts in der modernen Gesellschaft gerecht wird und der faktischen Vielfalt pfarramtlichen Wirkens entspricht.

 

Innerhalb des Themenfeldes sind Lehrveranstaltungen vorgesehen zum Thema: Person, Amt und Beruf des Pfarrers/der Pfarrerin; Pfarramt und Ehrenamt; Spiritualität als Thema der Pastoraltheologie; Gemeindeentwicklung; Kirchenmitgliedschaft in empirischer Perspektive; der demografische Wandel als Herausforderung an kirchenleitendes Handeln; Kirche und Diakonie; Kontinuität und Wandel in der Gottesdienstkultur; Tod und Trauer in Kirche und Gesellschaft; Religion und Kirche in der Mediengesellschaft u.a.m. Die Lehrveranstaltung wird i.d.R. von der Kirchlichen Assistentin am Lehrstuhl Praktische Theologie III (mit den Schwerpunkten Seelsorgelehre und Pastoraltheologie)  angeboten. Ergänzend ist es möglich, in Absprache mit ihr weitere seminaristische Lehrveranstaltungen zu benennen, die der Vorbereitung auf das Praktikum dienen.

 

Im Rahmen der Lehrveranstaltung wird eine grundlegende Einführung in die jeweilige Themenstellung gegeben und mit aktuellen Theoriekonzepten bekannt gemacht. Zugleich wird schon im Rahmen der Lehrveranstaltung auf die Herausforderungen der Praxis aufmerksam gemacht. Das kann neben dem Textstudium beispielsweise durch gemeinsame Exkursionen oder durch den Besuch von fachkundigen Vertretern aus den relevanten Praxisfeldern im Seminar möglich werden.

 

Neben der thematisch-inhaltlichen Seite wird auch durch das Kennenlernen empirischer Methoden zur reflektierten Wahrnehmung auf das Praktikum vorbereitet. Die Studierenden erlernen eine Form kriteriengeleiteter Wahrnehmung, die es ihnen ermöglicht, das Praktikumsfeld systematisch und fokussiert zu erschließen (‚Teilnehmende Beobachtung‘, ‚Forschertagebuch‘) und als Person reflektiert in die soziale Interaktion einzutreten.

 

Im Zusammenhang des übergeordneten Seminarthemas erarbeiten sich die Studierenden einen allgemeinen Interessenfokus, der den Austausch von Erfahrungen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern ermöglicht. Darüber hinaus wird eine individuelle, an der Person und dem Arbeitsfeld orientierte Fragestellung entwickelt, den die Praktikanten und Praktikantinnen mit in ihre Praktikumsstelle nehmen.

 

Individuelle Begleitung

 

Die Studierenden werden im Blick auf die Auswahl der Praktikumsplätze individuell durch die Dozentin / den Dozenten beraten. Sie können selbst Vorschläge machen. Gleichfalls sollte für die Studierenden die Gelegenheit bestehen, auf einen Pool möglicher Praktikumsstellen zurück greifen zu können (z.B. allg. Gemeindepraktikumsstellen, Praktikumsstellen in den Bereichen der Diakonie, Seelsorge, Kirche und Freizeit, im Medienbereich etc.). Entscheides Kriterium für die Auswahl des Praktikumsplatzes ist der deutliche Bezug zum Pfarrberuf / zur pfarramtlichen Tätigkeit.

 

Die Praktikumsberichte werden von der Dozentin / dem Dozenten gelesen und im Gespräch mit den Praktikanten und Praktikantinnen ausgewertet. Im Austausch über Praktikumserfahrungen unter vier Augen können auch Fragen der Berufsorientierung, der Rollenfindung und der Studienberatung zur Sprache kommen. Mentorat (geplant): Wird hier offensichtlich, dass im Anschluss an das Tübinger Praktikum mit Blick auf die eigene pastorale Existenz bestimmte Fragestellungen vertieft werden wollen, können Studierende auf ein Netzwerk möglicher Mentoren zurück greifen und einen für sie passendenden Gesprächspartner suchen (Coaching, geistliche Begleitung etc.).

 

Praktikum

 

Das Praktikum dauert in der Regel vier Wochen. Es bietet einen profunden Einblick in zentrale Themen- und Problemfelder des pfarramtlichen Berufs. Mentor und Mentorin sollen Pfarrer und Pfarrerinnen (Gemeinde- und Funktionsstellen) sein. Sie begleiten die Praktikanten während des Praktikums, indem sie ihnen Einblicke in die Berufspraxis geben und ihnen als Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Die Mentoren und Mentorinnen werden in einem Schreiben über die in der Lehrveranstaltung besonders akzentuierten Themen informiert. Sie bestätigen den Praktikanten formlos, dass diese ihr Praktikum geleistet haben. Für Rückfragen und bei evtl. Problemen ist die Kirchliche Assistentin ansprechbar.

 

Die Studierenden führen ein Feldtagebuch, in dem sie Eindrücke und Beobachtungen festhalten. Dieses stellt die Grundlage für den Praktikumsbericht dar.

 

Auswertung (Blockveranstaltung)

 

Auswertungsgrundlage des Praktikums ist der Praktikumsbericht, den die Studierenden im Anschluss an das Praktikum verfassen und bei der Dozentin / dem Dozenten (ein Exemplar geht an den Oberkirchenrat) einreichen. Der Bericht gilt als Modulprüfung. In einer an das Praktikum anschließenden Blockveranstaltung (1­–1½Tage) werden Praktikumserfahrungen ausgetauscht und auf die gemeinsame Themenstellung und die erarbeiteten Inhalte zurück bezogen. Theorie und Praxiserfahrungen werden in einen fruchtbaren Dialog gebracht und die eigenen Erfahrungen durch die Perspektiven der anderen erweitert. Nachdem alle Teil-leistungen (Teilnahme an der Vor- und Nachbereitung, Praktikum und Praktikumsbericht) erbracht wurden, wird ein Leistungsschein ausgestellt.