Erfahrungsberichte

 

 

Magdalena, Gemeindepraktikum in Brandenburg (Land):

 

‚Gemeindepraktikum – für mich, die ich nicht unbedingt ins Pfarramt will, ein notwendiges Übel.‘ – Dachte ich zumindest, als ich mich entschloss, das Basismodul Praktische Theologie (Teil 2) zu belegen. Ich wollte es möglichst schnell hinter mich bringen, möglichst im Ausland, um die Pflicht mit einer besonderen Erfahrung etwas aufzuwerten. Die vorbereitende Übung gehörte da dazu. Ich ging mit der Erwartung in den Kurs, dass uns geholfen würde, eine passende Praktikumsstelle zu finden, und wir ein paar praktische Tipps für die Zeit während des Praktikums bekämen. Aber wir bekamen viel mehr: In der Auseinandersetzung mit wichtigen Texten der letzten Jahre lernten wir die verschiedenen Konzepte von Kirche kennen, wir beschäftigten uns mit der Frage, wie weit man eigentlich noch von Volkskirche sprechen kann und was den Pfarrberuf ausmacht. Ob und inwiefern Kirche wachsen sollte, regte zu Diskussionen an, die mich oft noch nach Hause begleiteten und in meiner WG eifrig weiterdiskutiert wurden. Durch diese Gespräche änderte sich auch meine persönliche Einstellung zum Praktikum: Ich entschied mich dafür, die Zeit in meiner eigenen Landeskirche zu verbringen und damit einen tieferen Einblick in die Strukturen vor Ort zu bekommen.

Das Praktikum kam, und ich fühlte mich vorbereitet. Nicht durch praktische Hinweise, wie ich erwartet hatte, sondern durch einen theoretischen Hintergrund, der mir half, mit offenen Augen die Zeit zu erleben, Probleme und Lösungsansätze in der Region wahrzunehmen und den Pfarrberuf, seine Anforderungen und Möglichkeiten klarer zu reflektieren.

Nach sechs Wochen Praktikum wieder in Tübingen tat es gut, auf dem Auswertungstag die anderen wiederzusehen, von deren Plänen und Ideen, Ängsten und Erwartungen für das Praktikum man über das Semester viel mitbekommen hatte. Wie unterschiedlich waren unsere Erfahrungen! Obwohl wir alle Pfarrer begleitet hatten, konnten wir ganz verschiedene Geschichten erzählen, je nachdem ob wir in einem Brandenburger Dorf oder einer Schwäbischen Kleinstadt, bei der deutschen Gemeinde in Schweden oder bei dem Asylpfarrer in Stuttgart waren. Mit diesem Tag, der noch einmal voll von intensiven Gesprächen war, schloss sich der Kreis und bot ein rundes Ende, des Praktikums und des Semesters.

 

 

 

Thorsten, Praktikum in der EKD-Auslandsgemeinde in Kairo:

 

Die vorbereitende Lehrveranstaltung habe ich gerne besucht. Einerseits setzten wir uns mit den historischen Grundlagen für das Pfarramt, die Person und den Beruf des Pfarrers / der Pfarrerin auseinander, andererseits wurde viel Raum für neuere Ansätze, unsere eigenen Beobachtungen und die sich daran anschließende Diskussion eingeräumt. Die Seminargruppe hatte hierfür die ideale Größe. Ergänzend hierzu waren an einer Sitzung sowohl eine Pfarrerin aus einer ländlichen Gemeinde als auch einen Pfarrer aus dem städtischen Kontext zu Gast. Diese brachten nochmals ihre Erfahrungen ein und setzten hiermit für die folgenden Sitzungen neue Impulse.
Diese eher theoretisch gehaltene Annäherung und Auseinandersetzung mit dem Themenfeld habe ich in mein Gemeindepraktikum mit hineingenommen und die Fragestellungen weiter vertieft. Vor Ort wurde im Gespräch mit meinen beiden Mentoren deutlich, dass es sich im Seminar um praxisnahe Problemstellungen (bspw. dem Verhältnis zwischen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern, der Frage nach Wegen der Gemeindeentwicklung, die vorhandenen Erwartungshaltungen innerhalb und außerhalb der Gemeinde oder hinsichtlich der Spannung zwischen Einheit und Vielfalt innerhalb der Landeskirche) handelte. Daher konnte ich mit den Menschen in der Gemeinde über diese Punkte weiter nachdenken. Neben der wichtigen Chance erste Schritte im Pfarrberuf zu machen, war daher der theoretische Hintergrund für eine angemessene Reflexion gegeben. Deswegen kamen sowohl die praktische als auch die theoretische Komponente des Praktikums zur Geltung. Mir hat es gut getan den Gemeindealltag kennenzulernen, eine Predigt zu halten, bei Hausbesuchen und Dienstbesprechungen dabei zu sein und ein paar Unterrichtsstunden in Religion zu halten. Ebenfalls waren die Gespräche mit den Menschen vor Ort, speziell auch mit dem Pfarrehepaar, wertvoll und für viele Fragen ergänzend.
Der Auswertungstag hat hierbei nochmals zur Bündelung und darüber hinaus zum Austausch beigetragen. Durch die Erfahrungsberichte und die Anknüpfung an bereits Diskutiertes war dieser Studienabschnitt eine runde und gelungene Phase, welche ich nicht missen möchte.

 

 

 

Sarah, Praktikum in der EKD-Auslandsgemeinde in Stockholm:

 

Mein Gemeindepraktikum habe ich im Sommer 2011 in der Deutschen Gemeinde St. Gertrud in Stockholm gemacht. Dabei war für mich besonders wichtig, dass ich mich auf diese Zeit entsprechend vorbereiten kann und vor und während des Praktikums einen Ansprechpartner an der Uni habe. Das Tübinger Modell hat mich aber nicht nur deshalb überzeugt. Dieses Modell bietet die Möglichkeit, sich ein Semester lang Gedanken darüber zu machen, was Kirche ausmacht: Wo liegen ihre Aufgaben und Ziele, welche Herausforderungen und Chancen bieten sich ihr, wie lauten ihre Visionen und Perspektiven? Im Praktikum selbst habe ich viele Fragen und Gedanken der Texte und Diskussionen, die uns durch das Semester begleitet haben, aus der Perspektive der Praxis neu betrachten können, was für mich sehr gewinnbringend war. Besonders hilfreich war für mich auch der Auswertungstag nach dem Praktikum. Dieser Tag bietet Raum und Zeit die gemachten Erfahrungen intensiv zu reflektieren, sich über die gemeinsamen Erlebnisse auszutauschen, Fragen, Zweifel, Antworten und Möglichkeiten unter den gemachten Erfahrungen in der Praxis neu zu bedenken. Durch dieses „Gesamtpaket“, das u.a. Vorbereitung, Austausch, Begleitung und  Reflexion beinhaltet, habe ich sehr profitiert und kann daher das Tübinger Praktikum nur wärmstens weiterempfehlen und versichern: es lohnt sich in jedem Fall!

 

 

 

Isabell, Gemeindepraktikum in Bremen:

 

Schon vor Beginn des Praktikums gemeinsam mit anderen Studierenden verschiede theoretische Fragestellungen rund ums Thema Kirche und Gemeinde zu erarbeiten zu diskutieren und zu versuchen sich eine Meinung zu bilden, hatte zur Folge, dass ich, als es dann mit dem Praktikum losging, das Gefühl hatte schon gut „im Thema drin“ zu sein. Also eine Ahnung davon zu haben, was es zum Beispiel für Gemeindekonzepte gibt oder was sich hinter dem EKD Reformprozess verbirgt.
Besonders hilfreich war es, im Vorfeld konkrete Interessen und Fragestellungen zu formulieren, denen dann im Praktikum nachgegangen werden konnte. So musste ich mir nicht erst in der doch begrenzten Zeit in der Gemeinde darüber klar werden, welche Ausrichtung mein Praktikum denn haben sollte. Natürlich entwickelten sich die in der Uni überlegten Ansätze im Praktikum weiter und wurden von jeder und jedem auf andere Weise vertieft. Besonders spannend war daher der Austausch mit den anderen Teilnehmern des Tübinger Praktikums während der Zeit in den Gemeinden. Dort, und auch beim Auswertungstag im Anschluss an das Praktikum herrschte ein sehr offener, ehrlicher Umgang innerhalb der Gruppe. Man kannte sich ja nun schon eine Weile und hatte sich sowohl vor als auch während des Praktikums mit ähnlichen Fragestellungen beschäftigt. So war nach der intensiven Vorbereitung und dem Kontakt im Praktikum auch eine intensive Nachbereitung möglich, bei der ich meine eigenen Erfahrungen reflektieren und von den Erfahrungen der anderen profitieren konnte.