Lehrveranstaltungen im WS 2016/17

 

Hier finden Sie das Lehrangebot für das aktuelle Wintersemester 2016/17.

 

Vorlesungen

 

Kasualtheorie: Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung

Prof. Dr. Birgit Weyel

2-st., Di 8-10 Uh, SR 10

 

Kasualien sind zentrale kirchliche Handlungsfelder, deren  Bedeutung als Gestaltung von lebensgeschichtlichen Übergängen kaum überschätzt werden kann. Das Verhältnis zur Kirche wird durch die Erfahrungen anlässlich von Kasualien nachhaltig geprägt. Zugleich ist die Gestaltung von Kasualien sehr komplex, da sie alle Teildisziplinen der Praktischen Theologie (Seelsorge, Predigt, Liturgik) betrifft. Gesellschaftlicher Wandel und Veränderungen im Blick auf Religion und Kirche lassen sich sehr gut an der Kasualpraxis wahrnehmen. Daher sind die Kasualien auch ein sehr forschungsintensives Themengebiet, zu dem in den in den letzten Jahren mehrere empirische Studien und neue Theorieansätze entstanden sind.
Die Vorlesung bietet einen Überblick über die zentralen Kasualien im Lebenslauf, thematisiert unterschiedliche Kasualkonzepte wie Lebensbegleitung, integrale Taufpraxis und Passageriten. Die Bedeutung der Familie anlässlich von Kasualien wird thematisiert. Schließlich wird ein Schwerpunkt auf der Analyse des gegenwärtigen Wandels (individuelle Gestaltungswünsche, säkulare Anbieter von Riten u.a.m.) und den Konsequenzen für die kirchliche Praxis  liegen. Welche Rolle spielen Medien (bspw. Traumhochzeit) für die Wahrnehmung? Inwieweit hat sich die Rolle der Bestattungsunternehmer gewandelt? Und kann es neue Kasualien (bspw. Goldene Konfirmation als Ruhestandskasualie) geben?

Seminare

 

Krankheit als Thema christlicher und islamischer Seelsorge (mit Prof. Dr. Hibaoui)

Prof. Dr. Birgit Weyel 

2-st., Do 14-16 Uh, SR 10

 

Krankheit ist ein zentrales Thema der Seelsorge, weil sie häufig einen Anlass bietet, sich mit religiösen Fragen auseinanderzusetzen (Theodizee, Gottesbilder). In diesem Seminar soll die Rolle der Religion für die Deutung von Krankheit thematisch werden. Welche Konzepte werden gebildet, um sich zu einer schweren Erkrankung zu verhalten? Welchen 'Sinn' geben Menschen ihrer Erkrankung? Welche Rolle spielt die Religion bei der Bewältigung von Krankheit?
Gemeinsam mit Studierenden des Zentrums für Islamische Theologie wird dem Thema aus evangelisch-christlicher und aus islamischer Perspektive nachgegangen. Sowohl Gemeinsamkeiten und Unterschiede als auch Möglichkeiten interreligiöser Seelsorge werden diskutiert. Neben der Arbeit an zentralen Texten sollen auch Krankheitsdeutungen in populären Medien analysiert werden, biografisch-narrative Interviews empirisch ausgewertet und die Krankenhausseelsorge als Praxisfeld mit einbezogen werden.
Ziel des Seminars ist es, am Beispiel der Krankheitsdeutung ein Verständnis für die  kulturellen und religiösen Voraussetzungen von Seelsorge zu entwickeln sowie Einsichten in Formen und Arbeitsweisen der Seelsorge zu gewinnen. Das Seminar wird  von beiden Dozenten gemeinsam durchgeführt.

 

Altern in einer älter werdenden Gesellschaft: Menschen in der dritten und vierten Lebensphase in seelsorglicher Perspektive (mit Dr. Kristin Merle)

Prof. Dr. Birgit Weyel

2-st., Do 16-18 Uhr, SR 10

 

Es vergeht kein Tag, ohne dass man in den Medien etwas über den demographischen Wandel, die "neuen" Alten,  altersassoziierte Krankheiten wie Demenz, drohenden Pflegenotstand und den sog. "Methusalem-Komplott" wahrnimmt. Was heißt es eigentlich heute, 'alt' zu werden, 'alt' zu sein? Welche Chancen bieten Seelsorge und Kirchengemeinden, neue Angebote für ältere Menschen wahrzunehmen, um dem Wandel gerecht zu werden? Welche sozialen, religiösen und spirituellen Bedürfnisse haben ältere Menschen? Mit welchen Selbst- und Fremdbildern sind ältere Menschen konfrontiert?
Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis vom Altern in unserer Gesellschaft zu gewinnen und in seelsorglicher, diakonischer und kirchentheoretischer Perspektive zu reflektieren.
Neben biografisch-narrativen Interview mit älteren Menschen, die Aufschlüsse über ihr Selbstverständnis geben, sollen auch mediale Altersbilder analysiert und konzeptionelle Ansätze kirchlicher Seniorenarbeit praktisch-theologisch reflektiert werden.

 

Proseminar

 

Homiletik

Johannes van Oorschot. Das Seminar wird in Kooperation mit Frau Siegl angeboten und nach der ersten Sitzung geteilt.

2-st., Mi 14-16 Uhr, SR 5

 

Die Predigt ist eine öffentliche religiöse Rede. Als solche steht sie in vielfältigen Bezügen, zu deren Reflexion das Proseminar anleiten möchte. Zu denken wäre etwa an ihren Bezug zu den biblischen Texten, ihre Adressierung der Hörer und Hörerinnen, die Bedeutsamkeit der Person des Predigers und der Predigerin oder ihre sprachliche Gestaltung. Auch die grundsätzlicheren Fragen nach der Aufgabe der Predigt, den Wirkungen, auf die sie zielt, und der Rolle, die sie für Gesellschaft und Kirche aktuell spielt, wollen wir gemeinsam reflektieren. Das Proseminar bietet dabei die Möglichkeit, sowohl Überlegungen der zeitgenössischen Homiletik als auch klassische Konzepte der Predigtlehre (v.a. Luther, Schleiermacher, Barth und Lange) kennenzulernen. Ferner werden wir uns mit methodischen Fragen beschäftigen und überlegen, wie eine Predigt theologischen wie kommunikativen Anforderungen entsprechend gestaltet werden kann.

Ziel wird sein mit Hilfe der homiletischen Theorie und kleineren Formen der Erprobung
(eigene Textentwürfe bzw. Gestaltung von Andachten) erste Einblicke und Anregungen
für die weitere Beschäftigung mit der Homiletik zu erlangen.

Je nach Anzahl der Teilnehmenden werden zwei eigenständige Lerngruppen gebildet.

 

 

 
Übungen

 

Gelebte Religion Wahrnehmen - Chancen und Herausforderungen eines Programms der Praktischen Theologie (mit Vorbereitung auf das Praktikum)

Dr. Kristin Merle

2-st., Do 14-16 Uhr, SR 2

 

Der Begriff der ‚gelebten Religion‘ erfährt seit Ende der 1960er Jahre und in den folgenden Jahrzehnten in der Praktischen Theologie  einen erheblichen Bedeutungszuwachs: Auch wenn sich hier kein einheitliches theologisches Programm finden und formulieren lässt, eint die verschiedenen Ansätze doch eine gemeinsame Suchbewegung. Die ‚gelebte Religion‘ – religiöse Praktiken und subjektive Sinndeutungsleistungen – von Menschen soll mit ihren Eigenlogiken in den Blick kommen. Die Einzelnen als Subjekte selbstverantworteten Lebens und Glaubens rücken in den Fokus ein, Religionshermeneutik wird zur Angelegenheit der Praktischen Theologie. Praktische Theologie hat dann auch zur Aufgabe, die Kulturbedeutung der Religion zu veranschaulichen und nach Anschlussmöglichkeiten institutionellen Handelns zu suchen.
Die Übung wird ‚das‘ Programm ‚gelebte Religion wahrnehmen‘ in seinen verschiedenen Facetten nachzeichnen und bedenken: Was sind die Chancen einer solchen Perspektivierung? Was sind Vorzüge/Nachteile gegenüber anderen Programmbegriffen der Praktischen Theologie? Welche Grenzen des Programms wären zu benennen? Dem Thema entsprechend werden Sie als Studierende zudem die Möglichkeit haben, während des Semesters eigenverantwortet ein kleines Forschungsprojekt zu entwerfen und durchzuführen.

 

Pastoraltheologie und Michel Foucault: Diskurstheorie als Werkzeug pastoralen Handelns

Johannes van Oorschot

2-st., Mo 14-16 Uhr, Alte Physik, Übungsraum 2

 

Foucault entwickelte mit seiner Diskurstheorie ein Werkzeug, das menschliches M/miteinander (Reden) auf seine Strukturen, Regeln und Machtverhältnisse durchsichtig macht. Wer im Diskurs steht, unterliegt dessen Regeln, strukturiert sein Handeln entsprechend der Erwartungen und/oder muss die Folgen, d. h. Sanktion oder "Lohn", tragen. Dass dies nicht nur für den direkten Umgang miteinander, sondern auch für die Strukturen unseres Wissens gilt, ist eine von Foucaults zentralen Thesen. (Was z.B. folgt daraus, wenn die Geschichte vom "Turmbau zu Babel" entweder unter hamartiologischen Gesichtspunkten oder unter dem Label geschöpflicher Freiheit behandelt wird.) Wie diese Perspektive nicht nur für den Studienalltag relevant sein mag, sondern gerade für das Pastorale Handeln von zentraler Bedeutung ist, soll in dieser Übung erarbeitet und diskutiert werden.
Das notwendige Werkzeug, um diese Fragen fruchtbar zu behandeln, soll in der Lektüre von Foucaults "Sexualität und Wahrheit. Der Wille zum Wissen." (ca. 150 Seiten) erarbeitet werden, das im Verlauf des Semesters gelesen wird.

 

 

Oberseminar

 

Kolloquium: Themen der Forschung

Kolloquium

Prof. Dr. Birgit Weyel

1-st., 14-tätig, Do 20-22 Uhr

Auch interessierte Studierende sind herzlich willkommen.

In diesem Kolloquium werden aktuelle Themen der Forschung behandelt. Es werden sowohl Forschungsprojekte aus dem Kreis der Teilnehmenden vorgestellt als auch Neuerscheinungen der Praktischen Theologie diskutiert. 

 

Fremd, Anders, Verschieden? - Theoretische Ansätze zum Verständnis von kultureller und religiöser Alterität

Kolloquium (Blocksozietät)

Prof. Dr. Birgit Weyel

18.-20. November 2016

Anmeldung persönlich oder via Email

In dieser Veranstaltung geht es um eine Annäherung an ein Verständnis von Alterität und um die Frage nach der Herstellung von Identität und Differenz angesichts religiöser und kultureller Vielfalt. Dabei werden verschiedene Theorieansätze wahrgenommen. Neben der Ethnologie werden uns insbesondere soziologische und psychologische Erklärungsmodelle beschäftigen. Die gesellschaftspolitischen Konsequenzen des Themas liegen auf der Hand: Die Rolle der Religion und der Kirche angesichts von Fundamentalismus, Othering und Fremdenfeindlichkeit auf der einen sowie gelebter Vielfalt ('diversity'), interkultureller Kompetenz, Pluralitätskonzepten auf der anderen Seite stehen  im Zentrum.