Lehrveranstaltungen im WS 2014/15

 

Hier finden Sie das Lehrangebot für das aktuelle Wintersemester 2014/15.

 

Vorlesungen

 

Kirchentheorie

Prof. Dr. Birgit Weyel

2-st., Di 8-10 Uhr, SR 10


Hinweis: Diese Vorlesung zur Kirchentheorie kann auch gegen den Wortlaut des Modulhandbuchs in das Basismodul PT 1 eingebracht werden. Studierende, die diese Vorlesung aus dem WS 2014/15 in das Basismodul PT 1 einbringen werden, müssen nur darauf achten, dass sie später das Themenfeld 1 (Kirchentheorie u.a.) nicht mehr für die Vorlesung im Integrationsmodul wählen können.

 

Die Vorlesung bietet einen Überblick über Fragen nach der Funktion und Organisation von Kirche und Gemeinde in der modernen Gesellschaft und geht schwerpunktmäßig auf  gegenwärtig diskutierte Themen ein. Wie verändert sich das Profil der evangelischen Kirche in einer multireligiösen Gesellschaft? Wie sind regionale Unterschiede innerhalb der EKD und zwischen Stadt und Land zu berücksichtigen? Wie lassen sich Kirche und Gemeinde leiten? Welche Formen religiöser Sozialität entstehen neben der traditionellen Ortsgemeinde? Wie verändern Mobilität und Mediengebrauch die Wahrnehmung von Kirchenmitgliedschaft? Wie entsteht Kirchenbindung und wodurch wird sie erschwert? Wie lassen sich Engagement und Indifferenz der Kirchenmitglieder erklären?

Ergebnisse aus aktuellen Forschungsprojekten zum Thema 'Gemeinde auf Zeit' und zur Kirchenmitgliedschaft (KMU 5) fließen mit ein (http://www.ev-theologie.uni-tuebingen.de/lehrstuehle-und-institute/praktische-theologie/praktische-theologie-iii/forschung.html).

 

Seminare

 

Evangelische Seelsorge

Prof. Dr. Birgit Weyel 

2-st., Do 14-16 Uhr

 

Im Seminar werden zentrale Themen und grundlegende Ansätze der evangelischen Seelsorgelehre vorgestellt und diskutiert. Einen Schwerpunkt bilden  Biographiearbeit, interkulturelle Seelsorge, systemische Seelsorge, spiritual care, Gottesbilder und ihre Bedeutung für die Bewältigung von Krisen und den Umgang mit Krankheit. Aktuelle Forschungsergebnisse werden an Beispielen vorgestellt: dem EKD-Modellprojekt zum Thema 'Innovative Wege der Seelsorge mit Menschen mit Depression' sowie zum Thema 'Religion und Lebenswelt' aus einem DFG-Projekt zur 'Schaustellerseelsorge'. Gastreferenten geben Einblicke in spezifische kirchliche Handlungsfelder der Seelsorge (z.B. Krankenhausseelsorge).

 

Religiöse Vergemeinschaftung in der Moderne. Gemeindepädagogische und kirchentheoretische Perspektiven

Prof. Dr. Birgit Weyel

2-st., Do 16-18 Uhr

 

Das Seminar geht schwerpunktmäßig auf gegenwärtig diskutierte Themen der Gemeinde- und Kirchentheorie ein; beispielsweise: Wie soll sich die evangelische Kirche in einer multireligiösen Gesellschaft zukünftig selbst verstehen?  Welche Formen religiöser Sozialität entstehen neben der traditionellen Ortsgemeinde? Welche Bedeutung haben sie für eine zeitgenössische Gestalt von Kirche? Das Seminar erarbeitet neuere Theorien des Sozialen (z.B. Theorie sozialer Netzwerke; Event-Forschung, Tribalismus) und bedenkt sie im Blick auf religiöse Gemeinschaftsbildung.

Es werden Modelle der Gemeindepädagogik diskutiert und Überlegungen zur Leitung von Kirche und Gemeinde angestellt: Welche Steuerungsmöglichkeiten gibt es, um auf die Zukunft der Kirche Einfluss zu nehmen und Gemeinde vor Ort zu gestalten? Einblicke in besondere Phänomenbereiche (z.B. Kirche im Grünen) werden im Zusammenhang eines Forschungsprojekts zum Thema 'Gemeinde auf Zeit' vorgestellt und durch eine Exkursion ergänzt.

 

Proseminar

 

Homiletik

Dr. Kristin Merle, Manuel Stetter (bei entsprechender Teilnehmerzahl werden zwei Seminargruppen gebildet)

2-st., Di 18-20 Uhr

 

Die Predigt ist eine öffentliche religiöse Rede. Als solche steht sie in vielfältigen Bezügen, zu deren Reflexion das Proseminar anleiten möchte. Zu denken wäre etwa an ihren Bezug zu den biblischen Texten, ihre Adressierung der Hörer und Hörerinnen, die Bedeutsamkeit der Person des Predigers und der Predigerin oder ihre sprachliche Gestaltung. Auch die grundsätzlicheren Fragen nach der Aufgabe der Predigt, den Wirkungen, auf die sie zielt, und der Rolle, die sie für Gesellschaft und Kirche aktuell spielt, wollen wir gemeinsam reflektieren. Das Proseminar bietet dabei die Möglichkeit, sowohl Überlegungen der zeitgenössischen Homiletik als auch klassische Konzepte der Predigtlehre (v.a. Luther, Schleiermacher, Barth und Lange) kennenzulernen. Ferner werden wir uns mit methodischen Fragen beschäftigen und überlegen, wie eine Predigt theologischen wie kommunikativen Anforderungen entsprechend gestaltet werden kann. Vorgesehen ist, im Laufe des Semesters auch kleinere Formen der Erprobung zu ermöglichen (Gestaltung von Andachten) und miteinander zu besprechen. Je nach Anzahl der Teilnehmenden werden zwei eigenständige Lerngruppen gebildet.

 

 
Übungen

 

Das Pfarramt als öffentliches Amt: theologische Grundierungen, persönliche Herausforderungen, gesellschaftliche Horizonte (mit Vorbereitung auf das Praktikum)

Dr. Kristin Merle

2-st., Do 18-20 Uhr

 

Im Zuge gesellschaftlicher – und damit auch kirchlicher – Transformationsprozesse rückt die Rolle des Pfarrers /der Pfarrerin neu in den Blick. Dabei betont die Rede vom Pfarramt als öffentliches Amt die konstitutive Bezogenheit pastoralen Handelns über die Plausibilitäten und Konventionalisierungen christlicher (Binnen-) Kommunikation hinaus auf den Bereich gesellschaftlicher Öffentlichkeit. Hierin ist ein weiter Geltungsanspruch ausgewiesen. Pastorales Handeln in seinen unterschiedlichen Facetten kann in dieser Perspektive verstanden werden als Beitrag zu Prozessen individueller, aber auch intersubjektiver und damit gesellschaftlicher Aushandlung menschlicher Selbstverständigungsprozesse. „Auf der Schwelle“ (Wagner-Rau) ist der Pfarrer / die Pfarrerin (mit-) verantwortlich für die Gestaltung von religiöser Kommunikation in der Außen- wie der Innenperspektive des Glaubens. In der Veranstaltung werden wir uns mit theologischen Grundlagen zum Verständnis des Pfarramts als öffentliches Amt auseinandersetzen, gesellschaftliche Transformationsprozesse in den Blick nehmen und in diesem Spannungsverhältnis die Frage nach Amt und Person thematisieren.

 

Die evangelische Trauung. Eheverständnisse, Hochzeitskulturen, Inszenierungsherausforderungen

Manuel Stetter

2-st., Mo 14-16 Uhr

 

Für viele Menschen bilden die Kasualien den zentralen Bezugspunkt zum kirchlichen Leben. In ihrer Bedeutung für das Bild, das Menschen von Kirche entwickeln, und das Verhältnis, das sie zu ihr einnehmen, sind sie kaum zu überschätzen.

Die Veranstaltung möchte am Beispiel der Trauung in das Nachdenken über die Praxis der Kasualien einführen. Dabei werden sowohl allgemeinere kasualtheoretische Aspekte in den Blick genommen als auch spezifischere Fragen, die mit dem besonderen Kasus der Trauung verknüpft sind, thematisiert.

Drei Schwerpunkte sind hier vorgesehen. Erstens sollen Vorstellungen von Liebe, Beziehung und Ehe reflektiert werden, die im Zusammenhang des kirchlichen Diskurses vorkommen - sei es implizit in den agendarischen Texten der Trauliturgie, sei es explizit in den Debatten etwa um das sog. ‚Familienpapier‘ der EKD, die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften oder die Überlegungen zu einem kirchlichen Scheidungsritual. Zweitens sollen kulturell verbreitete Formen und Bilder von Hochzeit analysiert werden. So werden Vorstellungen von Trauung über Kinofilme, TV-Formate, Hochzeitsmessen oder das Angebot säkularer TraurednerInnen kommuniziert. Vor diesem Hintergrund sollen drittens einige exemplarische Herausforderungen betrachtet werden, die sich in Blick auf die Gestaltung evangelischer Trauung heute stellen. Wie etwa ist mit den Mitgestaltungswünschen der Kasualteilnehmer umzugehen? Welche Aufgaben erfüllt bestenfalls eine gute Traupredigt? U.a.m.

Geplant ist darüber hinaus der gemeinsame Besuch einer Hochzeitsmesse sowie das Gespräch mit einem säkularen Trauredner.

 

Oberseminar

 

Religionsethnografie

Kolloquium

Prof. Dr. Birgit Weyel

1-st., 14-tätig, Do 20-22 Uhr

Auch interessierte Studierende sind herzlich willkommen.

 

Religionsethnographie zielt auf eine Beschreibung gelebter Religion, indem die Einbettung von Religion in die Kultur in den Blick genommen wird. Religionsethnographische Fragestellungen ermöglichen eine reflektierte Wahrnehmung religiöser Praxis in Form von Mythen, Riten, Ritualen, sakralen Gegenständen u.a.m. Sie stehen in enger Verbindung mit  Religionstheorien und sind daher insbesondere für empirische Forschungsarbeiten relevant. Wir werden einige ausgewählte Klassiker der Religionsethnologie (z.B. Marcel Mauss, Emile Durkheim) lesen, die ihre Theorien auf indigene Gruppen und Gesellschaften hin entwickelt haben. Eine spannende Frage wird sein, inwieweit diese Theorien und Methoden  ihre Relevanz auch für methodische Fragen der empirischen Erforschung von Religion in unserer eigenen Gesellschaft entfalten können.

 

Wie heilig ist die Heilige Schrift? Praktische-theologische Perspektiven auf den privaten und öffentlichen Bibelgebrauch

Kolloquium (Blocksozietät)

Prof. Dr. Birgit Weyel

21.-23. November 2014

Anmeldung persönlich oder via Email

 

Biblischen Texten kommt im Protestantismus eine besondere Vorrangstellung für die Praxis des gelebten Glaubens zu. Was aber qualifiziert die biblischen Texte als 'Heilige Texte'? Welche Begründungszusammenhänge und Gebrauchsweisen stellen ihre Normativität her bzw. in Frage? Welche Tendenzen der Sakralisierung und der Profanisierung biblischer Texten lassen sich an ihren Verwendungsweisen beschreiben? Welche lebenspraktische Bedeutung kommt der Bibel im gegenwärtigen Protestantismus zu?

Dieses Thema wird uns am Samstag den ganzen Tag begleiten.  Darüber hinaus (Freitag und Sonntag) bietet die Sozietät Gelegenheit, Forschungsarbeiten von Doktorandinnen und Doktoranden vorzustellen und zu diskutieren. Interessierte Studierende sind herzlich willkommen!