Modellprojekt: Innovative Wege der Seelsorge mit Menschen mit depressiven Störungen

 

Das Projekt 'Innovative Wege der Seelsorge für Menschen mit depressiven Störungen' leistet einen Beitrag zur Inklusion von psychisch kranken Menschen in Kirchengemeinden. Darüber hinaus zielt das Projekt darauf, in Kirchengemeinden einen Selbstverständigungsprozess über die Bedeutung der Seelsorge für alle gemeindlichen Vollzüge anzuregen.

Das Projekt nimmt Erkenntnisse der Kirchen- und Gemeindetheorie sowie die Erfahrungen des Difäm in der weltweiten Gesundheitsarbeit auf. Insbesondere fließen Erfahrungen mit dem Ansatz gemeindegetragener Gesundheitsarbeit in die Arbeit mit deutschen Kirchengemeinden ein. Kirchengemeinden werden für ein Gesundheitsthema sensibilisiert und gesundheitliche Ressourcen werden aktiviert. Am Beispiel depressiver Störungen wird gezeigt, dass Kirchengemeinden als soziale Netze, als Orte der Deutung des Glaubens und des gelebten Glaubens wichtige gesundheitliche Ressourcen haben.

 

Als EKD-Modellprojekt soll am Beispiel der Seelsorge mit Menschen mit depressiven Störungen gezeigt werden, dass Seelsorge nicht nur ein Handlungsfeld der Kirche neben anderen ist, sondern als "die Muttersprache der Kirche" (vgl. Impulspapier 'Kirche der Freiheit') besondere Bedeutung hat. Die seelsorgerliche Dimension aller kirchlichen Vollzüge soll hervortreten und diese stärken. Weil Seelsorge der Diskretion unterliegt, tritt sie häufig in den Hintergrund der Aufmerksamkeit. Indem die Seelsorge am Beispiel der Inklusion von Menschen mit depressiven Störungen thematisch wird, kann sie zur Tiefenschärfung aller Handlungsfelder beitragen.

 

Das Projekt basiert auf den Ergebnissen eines Pilotprojekts Kirchengemeinde und Depression, das in gleicher Trägerschaft im Zeitraum Oktober 2010 bis Dezember 2012 im Kirchenbezirk Tübingen durchgeführt wurde. Die Ergebnisse wurden in einem Praxishandbuch für Gemeinden publiziert: Birgit Weyel/Annette Haußmann/Beate Jakob/Stefanie Koch, Menschen mit Depression. Orientierungen und Impulse für die Praxis in Kirchengemeinden, Gütersloh 2014.

 

Methodisch wird der Schwerpunkt darauf liegen, exemplarisch mit Kirchengemeinden einen Prozess zur Stärkung seelsorgerlicher Kompetenzen und zur Vernetzung von Gemeinde- und Psychiatrieseelsorge anzuregen und zu begleiten und als best-practice-Beispiel zu dokumentieren. Die Arbeit mit den Kirchengemeinden wendet Methoden der partizipativen Forschung (participatory action research) und der wertschätzenden Befragung (appreciative inquiry) an.

 

Inhaltlich sollen folgende zwei Problemfelder besonders in den Blick genommen werden, da sie bei den Veranstaltungen im Rahmen des Pilotprojekts immer wieder thematisiert wurden:

  • Die Frage der religiösen Krankheitsdeutung (Deutung der Krankheit als Folge persönlicher Schuld oder eines Mangels an Glauben)
  • Die von Ehrenamtlichen erfahrene Hilflosigkeit und Überforderung im Umgang mit Menschen mit Depressionen, da Betroffene sich zum einen oft zurückziehen und es zum anderen für die Helfenden oft schwer ist, 'nicht helfen zu können'.

 

Zur Erreichung des Ziels der Stärkung der Kompetenz von Haupt- und Ehrenamtlichen in der Kirchengemeinde im Bereich der Seelsorge für Menschen mit depressiven Störungen sind folgende Schritte geplant:

  • Fachtag für Gemeindeleitende eines Kirchenbezirks (Reutlingen).
  • Schulungen für Hauptamtliche
  • Exemplarische Umsetzung in ausgewählten Kirchengemeinden in Kooperation mit dem 'Bündnis gegen Depression'.

 

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Eine Talkrunde zum Thema 'Zurück ins Leben - Wege aus der Depression' unter Beteiligung von Frau Dr. Jacob (Difäm, Tübingen) finden Sie hier.

 

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