DFG-Projekt: Schaustellerseelsorge. Lebenswelt und religiöse Wirklichkeitsdeutung von Menschen auf der Reise

 

DFG-Sachmittelprojekt

 

Laufzeit 15.5.2013–14.5.2015

 

Projektteam:

  • Bernhard Eisel (Wissenschaftlicher Mitarbeiter)
  • Dr. Kristin Merle und Prof. Dr. Birgit Weyel (Projektleitung)
  • Almut Klose (Studentische Hilfskraft).

 

Büro: Haußerstraße 43, 72076 Tübingen

 

Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, eine Praktische Theologie der Schaustellerseelsorge zu entwerfen. Die Schaustellerseelsorge ist ein Themenfeld der Praktischen Theologie, das kaum erforscht ist. Die besonderen lebensweltlichen Bedingungen und religiösen Bedürfnisse der Gruppe der Schausteller und Schaustellerinnen sind weder methodisch wahrgenommen worden noch wurden sie in der Seelsorgetheorie berücksichtigt. In wissenschaftlicher Hinsicht ist eine empirisch fundierte Theorie der Schaustellerseelsorge ein dringendes Desiderat, da allein die empirische Fundierung verspricht, einen konzeptionell der besonderen Lebenswelt der Schausteller und Schaustellerinnen angemessenen Ansatz in der Seelsorge entwerfen zu können – jenseits von Intuition und weitergegebenem fragmentarischem Handlungswissen.

Kernstück und Novum des Forschungsprojektes sind die Wahrnehmung, Beschreibung und Interpretation von Lebenswelt und ‚gelebter Religion‘ von Schaustellern auf der Grundlage qualitativ-empirischer Erhebungen von lebensweltaffinen religiösen Deutungen und schaustellertypischen Kasualien; die Erhebung und Interpretation von Erwartungen, Einstellungen (Relevanzhierarchien) und Motiven in der Verhältnisbeschreibung zur kirchlichen Institution und ihren Vertretern (Seelsorger und Seelsorgerinnen).

Von den Ergebnissen dieser Forschung sind darüber hinaus Anregungen für weitere Forschungsfelder zu erwarten. Zum einen wird die Seelsorgelehre wesentliche Impulse durch eine exemplarisch lebensweltlich geprägte Praktische Theologie der Schaustellerseelsorge gewinnen: Das Forschungsvorhaben trägt zu einer Integration soziologischer Perspektiven in die Poimenik bei. Zum anderen haben die Forschungsergebnisse in exemplarischer Weise Relevanz für die gelebte Religion von sozialen Gruppen, die ebenfalls durch eine spezifisch religiös-ambulante Lebensweise charakterisiert sind. Neben den seelsorgetheoretischen Einsichten sind auch kirchentheoretische Erkenntnisgewinne zu erwarten, die sich auf die religiöse Sozialität von sozialen Gruppen beziehen, die von Mobilität geprägt sind. Im Hintergrund steht die Beobachtung, dass die Teilhabe am parochial verfassten Gemeindeleben für Menschen unter mobilen Lebensbedingungen erschwert ist. Die Erforschung der Schaustellerseelsorge lässt somit auch exemplarische Aussichten für die Frage nach dem Verhältnis von Mobilität und kirchlicher Organisation erwarten.

Eine empirische Untersuchung zur Lebenswelt dieser Sozialgruppe ist über das konkrete Forschungsprojekt hinaus für die Praktische Theologie wie die Kulturwissenschaften interessant, weil an dieser speziellen Gruppe exemplarisch der Zusammenhang zwischen religiöser Einstellung / religiösen Praxen, Mobilität und der Relevanz institutioneller Bindung untersucht werden kann.

 

Am 17. und 18. April 2015 fand im Rahmen des Projektes eine Tagung zum Thema 'Religion auf der Reise. Praktisch-theologische Zugänge zur Lebenswelt von Schaustellern und Schaustellerinnen' statt. In diesem Zusammenhang wurde von Prof. Dr. Ronald Girtler ein öffentlicher Abendvortrag zum Thema 'Streifzüge der Forschung. Die bunte Welt der Schausteller und Wirte im Wiener Prater' gehalten. Alle Informationen zu Tagung wie Vortrag finden Sie hier.

Ein umfassender Aufsatzband erscheint im Anschluss an die Tagung mit Beiträgen von Michael Faber, Ottmar Fuchs, Christoph Schneider-Harpprecht, Uta Pohl-Patalong, Jan Hermelink, Bernhard Claußen u.a. Voraussichtlich im Juli 2017 wird das Buch erhältlich sein. 

 

 

 

 

 

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