DFG-Projekt: Kasualien als Familienfeste. Zur Konzeptualisierung von familiären Lebensgemeinschaften anlässlich von Passageriten

Im Rahmen des Paketantrags: Kasualien als Feld und Konzept der Praktischen Theologie (PAK 876)

Laufzeit: Oktober 2014 bis September 2017

Projektmitarbeiterin: Fabienne Fronek

 

Büro: Haußerstraße 43, 72076 Tübingen

 

Kasualien sind Familienfeste. Taufe, Trauung, Konfirmation und Bestattung thematisieren nicht nur biographische Übergänge, die Individuen oder Paare betreffen, sondern sie bearbeiten auch die komplexen Veränderungen im Familiensystem, das von einem Kasus betroffen sind. Familienangehörige und Freunde konstituieren zu einem überwiegenden Teil die versammelte Gemeinde anlässlich von Kasualien und sie prägen den explizit familiären Teil der Festkultur im Anschluss an die gottesdienstliche Segenshandlung wesentlich mit.

 

Auf die Bedeutung von 'Familie' für Kasualien ist hingewiesen worden, wenn sozialisationstheoretische, familiengeschichtliche und familienreligiöse Aspekte benannt wurden. In der Regel rubriziert die 'Familie' jedoch als eine soziale Größe, die, anders als die in kirchentheoretischer Hinsicht entfaltete 'Gemeinde', dem Privaten zugeordnet wird, deren gesellschaftlich-institutioneller Charakter jedoch unberücksichtigt bleibt. Was 'Familie' ist, wie sie sich konstituiert und wie sie sich selbst versteht, wird anlässlich von Kasualien inszeniert und symbolisiert. Diese Fragestellung betrifft zum einen in empirischer Perspektive die Festfamilien, die sich zur Begehung der Kasualie versammeln. Zum anderen zielt sie auf die Symbolisierungsleistungen von Kasualien für familiale Lebensgemeinschaften. Ziel ist es, die Deutungsleistungen der Kasualien für das Konzept der Lebensgemeinschaft vor dem Hintergrund der Pluralisierung der Lebensformen zu erheben.

 

Die kirchliche Kasualbegleitung war bisher wesentlich an der Ehe als Subsystem orientiert. Die Pluralisierung der Lebensformen ist daher als Thema der Kasualtheorie eine Leerstelle und in der kirchlichen Wahrnehmung vor allem als Traditionsabbruch beschrieben worden. Der gesellschaftliche Wandel, der sich in der faktischen Pluralisierung, vor allem aber auch in einem Bewußtseins- und Wertewandel widerspiegelt, wirft Fragen für Theologie und Kirche auf, die am Beispiel der Kasualbegleitung konkretisiert werden können.

 

Die zentrale Forschungsfrage ist, welche (religiöse) Deutungen Kasualien für familiäre Lebensgemeinschaften  leisten.  Die Bedeutung der Familie soll in mehrfacher Hinsicht näher in den Blick genommen werden.

 

  1. Zum einen soll in empirischer Perspektive die anlässlich einer Kasualie zusammenkommende familiale Gruppe in ihren sozialen Beziehungen beschrieben werden.
  2. Zum anderen sollen die sich an die Gottesdienste anschließenden Familienfeste dokumentiert und die Selbstpräsentation der Familie beschrieben werden.
  3. Schließlich sollen die  Konzepte von Familie und ihre religiöse Deutung im Gottesdienst analysiert werden. Der Fokus liegt auf den wechselseitigen kommunikativen Verweisungszusammenhängen zwischen Kasualgottesdienst und Familienfest, um die Deutungsleistung der kirchlichen Kasualie für die familiäre Lebensgemeinschaft beschreiben zu können.
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