Abgeschlossenes Cluster: Religiöse Gefühle

Gefördert von der Universität Tübingen im Rahmen der Graduiertenakademie und von der Universität Innsbruck im Rahmen des Projekts 'Analytic Theology: The Convergence of Philosophy and Theology' mit Mitteln der John Templeton Foundation

 

Förderzeitraum: April 2012 bis März 2014

 

Leitung des Clusters

  • Prof. Dr. Sabine Döring (Philosophie, Tübingen)
  • Prof. Dr. Birgit Weyel (Praktische Theologie, Tübingen)

 

Beteiligte Doktorandinnen

  • Dr. Eva Maria Düringer
  • Gundula Reinshagen
  • Ruth Rebecca Tietjen

 

Koordinatorin

  • Gundula Reinshagen

 

Weitere beteiligte Hochschullehrer

  • Prof. Dr. Elisabeth Gräb-Schmidt (Tübingen)
  • PD Dr. Roderich Barth (München)
  • Dr. Christopher Zarnow (München)
  • PD Dr. Christoph Jäger (Innsbruck)
  • u.a.m.

 

Neben regelmäßigen Treffen der Tübinger Beteiligten sind Workshops, interdisziplinäre Lehrveranstaltungen, Veröffentlichungen und internationale Tagungen geplant. Thematisch soll sich das Cluster mit dem Wesen und der Funktion religiöser Gefühle beschäftigen. Gemeint sind mit religiösen Gefühlen solche Gefühle, die in einem direkten Zusammenhang zur christlichen Religion stehen und die aufgrund dieser Rolle auch in der theologischen Forschung reflektiert worden sind. Dazu gehören u.a. Transzendenzgefühle, Scham, Ehrfurcht und Hoffnung. 

 

Im Rahmen des Projektes sollen drei Fragenkomplexe im Mittelpunkt stehen und je nach ihrer thematischen Gewichtung eine weitere Zuspitzung erfahren: 

  • Was zeichnet religiöse Gefühle aus? Sind sie ihrer Struktur und Funktion nach mit nicht-religiösen Emotionen identisch? Wenn dies nicht der Fall ist, wie wären diese Gefühle dann zu beschreiben und zu klassifizieren? Wie sind religiöse Gefühle innerhalb der Evangelischen Theologie zu verorten? 
  • In welchem Verhältnis stehen religiöse Gefühle und Rationalität? Handelt es sich um zu rechtfertigende, rationale Zustände, die ihrerseits bestimmte Urteile rechtfertigen können? 
  • Welche Funktion haben religiöse Gefühle? Ist ihr Wert praktisch-instrumenteller, moralischer oder epistemischer Natur?  Aus Sicht der Analytischen Philosophie ist das Projekt deshalb von großer Relevanz, weil die Gruppe der religiösen Gefühle zu einem wichtigen Testfall für die Reichweite aktueller Emotionstheorien werden kann. Ein Schwerpunkt philosophischer Emotionsforschung ist die Frage, welche Strukturmerkmale für Emotionen im Allgemeinen als zentral gelten können. Hier wird neben der motivationalen Komponente insbesondere auf die Intentionalität von Emotionen und ihre epistemische Funktion hingewiesen. Das weitgehende Aussparen einer Beschäftigung mit religiösen Gefühlen ist erstaunlich, da es prima facie fraglich ist, ob religiöse Gefühle tatsächlich die als zentral postulierten Strukturmerkmale aufweisen. In der Evangelischen Theologie hat die Auseinandersetzung mit Gefühlen zumeist in Form von Einzelstudien stattgefunden. Kaum systematisch befasst hat man sich hingegen mit der Frage, was Gefühle bzw. religiöse Gefühle im Allgemeinen auszeichnet. Um dies nachzuholen, wäre eine Auseinandersetzung mit der analytischen Emotionsphilosophie sowie den Ergebnissen der empirisch-theologischen Forschung von großem Nutzen. Letztere bestätigt die immense Bedeutung von religiösen Gefühlen (u. a. im Bereich der Krankheitsbewältigung) und liefert Phänomenbeschreibungen, die als Ausgangspunkt einer Systematisierung dienen können.

 

Berichte und Fotos zu Workshops finden Sie hier:

  • 16.12.2013: 'Religiöse Gefühle. Zur Bedeutung der Gefühle für religiöse Überzeugungen.
  • 27.-29.09.2012: 'Religious Feelings - Religiöse Gefühle'.

 

Zum Thema Religion und Gefühl kürzlich erschienen ist: Charbonnier/Mader/Weyel (Hg.), Religion und Gefühl. Praktisch-theologische Perspektiven einer Theorie der Emotionen, Göttingen 2013