Bibel digital im BRU

Entwicklung einer Unterrichtseinheit zur Bibel für Tablets

 

„Bildung in der digitalen Welt“ lautet der Titel des Strategiepapiers der Kultusministerkonferenz vom Dezember 2016: Darin wird angesichts der "digitalen Revolution" die Digitalisierung im Bildungsbereich stark forciert. Unter dem "Primat des Pädagogischen" sollen Kompetenzen angestrebt werden, die „selbstbestimmte Teilhabe an der digitalen Gesellschaft ermöglichen“. Berufliche Bildung sei vom Wandel durch Digitalisierung „besonders und in unmittelbarer Weise berührt“. Deren Folgen müssten aufgrund der Praxisrelevanz "zeitnah" im Unterricht berücksichtigt werden. Der berufsspezifische Kompetenzerwerb wird dabei als „fächerübergreifende Querschnittsaufgabe“ angesehen.
 

Parallel zu dieser strategischen Ausrichtung läuft, vom Kultusministerium Baden-Württemberg initiiert, seit dem Schuljahr 2015/16 ein Versuch zum tabletgestützten Unterricht an Beruflichen Schulen. Er zielt auf den breiten Einsatz von Tablets über alle Schularten hinweg. Das Projekt ist ergebnisoffen und wird wissenschaftlich begleitet. Mit Auswertungen ist ab 2020 zu rechnen.


Neben den bildungspolitischen Ausrichtungen ist der Mediengebrauch von Jugendlichen in ihrem Alltag für die Unterrichtsgestaltung zu berücksichtigen.

Im Oktober 2016 haben unsere Kolleginnen und Kollegen vom KIBOR ein eBook zum Thema Leid und Tod online gestellt. Mit der Entwicklung einer Unterrichtseinheit zur Bibel soll nun weiteres Material für tabletgestützten BRU zur Verfügung gestellt werden. Ausgangspunkt kann dabei eine Veröffentlichung des EIBOR bilden, die positive Rückmeldungen aus der Praxis erhalten hat: Claudia Märkt, Hanne Schnabel-Henke, Friedrich Schweitzer: Bibel – etwas für mich? Unterrichtsbausteine für berufsbildende Schulen. RU praktisch – Berufliche Schulen. Göttingen 2014.

Das Projekt stellt sich gezielt einem sperrigen Thema: In der Forschungsgeschichte zum BRU wurde wiederkehrend die Frage nach der "religiösen Ansprechbarkeit" von Berufsschülerinnen und Berufsschülern aufgeworfen. Für den expliziten "God-talk" (Jeff Astley), wie er in der Bibel und deren theologischen Bearbeitung praktiziert wird, spitzt sich diese Frage der "Ansprechbarkeit" noch einmal in besonderer Weise zu. Die pragmatische Lösung, den BRU auf lebensweltlich bedeutsame Streifzüge und ethische Fragestellungen zu beschränken bleibt auf Dauer unbefriedigend. Insbesondere dann, wenn dies unter der Prämisse geschieht, dass für junge Erwachsene an Beruflichen Schulen keine Möglichkeit besteht, das Grunddokument christlichen Glaubens kennenzulernen, reflexiv zu bearbeiten und kontrovers im Blick auf lebensweltliche, ethische und interreligiöse Fragen zu diskutieren.

Für Folgeprojekte wird sich zeigen, welche didaktische Möglichkeiten und Grenzen durch digital gestaltete Zugänge zur Bibel in Form eines eBooks gegeben sind.