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25.07.2016 20:21

Studientag "Werte in der Praxis. Erziehungswissenschaft, Religionspädagogik und Verfassungsrecht im Gespräch"

Bericht zur Veranstaltung von EIBOR, ptz und rpi am 21. Juli 2016 in Stuttgart

Am 21.07.2016 veranstaltete das EIBOR gemeinsam mit dem Pädagogisch-theologischen Zentrum, Stuttgart sowie dem Religionspädagogischen Institut, Karlsruhe einen Studientag zum Thema "Werte in der Praxis". Die Veranstaltung fand im Hospitalhof in Stuttgart statt und bot die Möglichkeit zur Wahrnehmung des Wertethemas aus verschiedenen Perspektiven und die Gelegenheit eines Austauschs zwischen Wissenschaft und Praxis.

 

Der Studientag wurde von Joachim Ruopp vom Pädogisch-theologischen Zentrum eröffnet. In seinem Beitrag hob er die Bedeutung des Themas „Wertebildung“ für den BRU hervor und kennzeichnete es als ein „Megathema“ des Instituts. Dieses nehme sich in explorativen Untersuchungen und Interventionsstudien des Wertethemas an und greife damit sowohl schul- und religionspädagogische als auch (tages)politische Themen auf, was er in seinem Beitrag ausführte.

 

Friedrich Schweitzer hat sich in mehreren Veröffentlichungen mit der Relevanz des Themas für die religionspädagogische Arbeit befasst, es für die religionspädagogische Diskussion fruchtbar gemacht und dabei insbesondere die berufsorientierte Religionspädagogik berücksichtigt. In seinem Beitrag hob er den Bildungsaspekt und die Bedeutung von Theologie und Religion für den Wertediskurs hervor. Als Leiter des EIBOR verantwortet er das aktuelle Wertebildungsprojekt des Instituts: die Interventionsstudie Wertebildung. Sie wurde von Friederike Strohm und Christina Krause vorgestellt. Diese bundeslandweite Studie richtet sich an Schülerinnen und Schüler des Dualen Systems und der Vortrag sensibilisierte unter anderem für die Relevanz, die der BRU für Fragen der moralischen Urteilsfähigkeit und Wertebildung von Auszubildenden hat.  

 

Das Hauptreferat kam von Jürgen Rekus – er ist Professor für Pädagogik an der Universität Karlsruhe (Karlsruher Institut für Technologie, KIT). Als Bildungsforscher und einer der renommiertesten Vertreter der transzendentalen Pädagogik setzt sich Rekus seit mehr als drei Jahrzehnten mit Fragen der Wertebildung auseinander.  Als Abteilungsleiter am Institut für Berufspädagogik und Allgemeine Pädagogik am KIT hat er zudem eine enge Verbindung zu berufspädagogischen Fragen. In seinem Beitrag hob er die Bedeutung der Wertebildung als eine Qualitätsdimension von Schule und Unterricht hervor: Sie dienten nicht als „Durchlauferhitzer“ für ökonomische Anforderungen, sondern hätten sich in personaler Hinsicht dem ganzen Menschen zuzuwenden. Dabei gebe es weder eine zu vermittelnde Wertehierarchie, noch staatlich zu verordnende Werte. Das Subjekt habe in einem „Akt des Wertens“ Werte selbst zu formen und später auch zu verantworten. In seinem Beitrag charakterisierte Rekus diesen Weg und zeigte, welche Bedeutung Wertebildung im Kontext von Schule und Unterricht zukommt.

 

Harald Becker vom Religionspädagogischen Institut ging der Frage nach, was Technik überhaupt mit Werten zu tun hat. Die Frage, die besonders in gewerblichen Ausbildungsgängen eine Rolle spielen kann, beantwortete er mit Hilfe zweier Begriffe: „Technik als Handlungszusammenhang“ und „Technikbewertung“. In seinem Beitrag gab er zugleich Anregungen für die Praxis und konkrete unterrichtspraktische Beispiele.

 

Der Beitrag von Thomas Hammer, Jurist und wissenschaftlicher Mitarbeiter am  Karlsruher Institut für Technologie (KIT), zum Thema „Werte und das Verfassungsrecht“ musste leider entfallen. Zusammen mit den Beiträgen des Studientags erscheint er jedoch im Herbst 2016 in einem Band, der von Friedrich Schweitzer und Georg Wagensommer herausgegeben wird.

 

Der Studientag war gut besucht und hat Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus unterschiedlichen beruflichen Zusammenhängen angesprochen. In der positiven Resonanz der Teilnehmenden lag auch der Hinweis, sich von Seiten der Theologie und Religionspädagogik in den Wertediskurs einzubringen und sich der Stimme nicht zu enthalten.     

 

Dr. Georg Wagensommer