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15.08.2016 17:06

"Religion in Schulklassen mit Flüchtlingen"

Bericht zur Veranstaltung von EIBOR und KIBOR am 18. Juli 2016

    

 

 

 

Auf Einladung der beiden Institute für Berufsorientierte Religionspädagogik, EIBOR und KIBOR, referierte Dr. Mahmut Abdallah vom Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Tübingen zum Thema „Religion in Schulklassen mit Flüchtlingen“.

 

Bereits im Februar fand zu diesem Themenkomplex eine Werkstatttagung statt, zu der insbesondere Religionslehrkräfte, die in Flüchtlingsklassen unterrichten, angesprochen wurden. Im Kontext der beruflichen Bildung spricht man von VABO-Klassen, dies steht für „Vorqualifizierungsjahr Arbeit / Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen für Schülerinnen und Schüler ohne Deutschkenntnisse“. Dr. Abdallah war bereits zur Werkstatttagung geladen, und es wurde schnell deutlich, dass seine Expertise zum Islam in einer vertiefenden Folgeveranstaltung gefragt sein würde.

 

Dr. Abdallah fokussierte in seinem Vortrag am 18. Juli 2016 auf die Frage der Pluralitätsfähigkeit des Islam und stellte exklusivistische und inklusivistische Positionen vor, die sich jeweils mit Koransuren belegen lassen. Er verwies insbesondere darauf, dass im Islam Vielfalt als ein Zeichen Gottes betrachtet werden könne – Vielfalt von männlich und weiblich, von Farben, von Orientierungen. Mit dem Verweis auf Sure 2,256 betonte er das Recht auf Glaubens- und Gewissensfreihit im Islam: Es gebe keinen Zwang zum Glauben. Im Islam sei deshalb nicht nur die Toleranz, sondern vielmehr die Anerkennung von Pluralität angelegt. Im Umgang mit Vielfalt verwies er auf die Wichtigkeit, bei der Erklärung von Verhaltensmustern, insbesondere der von Flüchtlingen, nicht nur religiöse Prägungen zu beachten, sondern vielmehr kulturelle Prägungen mit einzubeziehen.

 

Der Vorwurf an muslimische Gläubige, Andersgläubigen gegenüber eine ablehnende oder gar aggressive Haltung zu zeigen, werde oft mit Sure 2,191 belegt: Tötet, wo immer ihr auf sie trefft …. Hier verwies Mahmut Abdallah auf die Bedeutung der kontextuellen Auslegung des Korans: In den vorausgehenden und folgenden Suren werde deutlich, dass der Tötungsaufforderung kriegerische Angriffe von Andersgläubigen vorausgingen, und dass bei ihrer Beendigung auch weiter keine Gewalt angewendet werden soll.

 

Dr. Abdallah zeigte mit dem Bericht von einem Schulprojekt, bei dem er in Flüchtlingsklassen in arabischer Sprache unterrichtet, wie wichtig es ist, unter den Zugewanderten die Bedeutung der in Deutschland verfassungsmäßig garantierten Glaubens- und Religionsfreiheit deutlich zu machen, dass nämlich aus der Religiosität und Religionszugehörigkeit weder Vorteile zu erhalten sind noch Nachteile erwartet werden müssen.

 

Ziel des Religionsunterrichts in Flüchtlingsklassen müsse sein, so sein Fazit, die Schülerinnen und Schüler zum Reflektieren zu bringen. Schule werde so zu einem Ort, an dem über die eigene und fremde Religiosität gesprochen und an dem Vielfalt gelebt werden könne, sowie ein Ort, an dem alle zu Wort kommen könnten.

 

Dr. Matthias Gronover