Dr. Leopold Lucas-Preis
Der mit 50.000 EUR dotierte Dr. Leopold Lucas-Preis würdigt alljährlich hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Theologie, der Geistesgeschichte, der Geschichtsforschung und der Philosophie. Er ehrt dabei insbesondere Persönlichkeiten, die zur Förderung der Beziehungen zwischen Menschen und Völkern wesentlich beigetragen und sich durch Veröffentlichungen um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören namhafte Wissenschaftler wie Karl Rahner, Paul Ricoeur, Karl R. Popper, Michael Walzer, Michael Theunissen und Bischof Eduard Lohse, Repräsentanten des religiösen Lebens wie Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama oder der polnische Erzbischof Henryk Muszynski, sowie der Kultur und Politik wie Léopold Sédor Senghor, der frühere senegalesische Staatspräsident und Richard von Weizsäcker.
Die Auszeichnung wurde 1972 von dem am 9. Juli 1998 verstorbenen Generalkonsul Franz D. Lucas, ehemals Ehrensenator der Eberhard-Karls-Universität, zum 100. Geburtstag seines in Theresienstadt umgekommen Vaters, des jüdischen Gelehrten und Rabbiners Dr. Leopold Lucas gestiftet. Die Evangelisch-theologische Fakultät vergibt den Preis alljährlich im Namen der Universität Tübingen.
Aktuelle Preisträgerin: Prof. Dr. Seyla Benhabib
Der diesjährige Dr. Leopold Lucas-Preis wird am 8. Mai der amerikanischen Professorin für politische Theorie, Seyla Benhabib, von der Yale University in New Haven (Connecticut, USA) verliehen. Die mit 50.000 EUR dotierte Auszeichnung würdigt auf den Gebieten der Theologie, der historischen Geisteswissenschaften und Philosophie hervorragende Leistungen, die sich in besonderer Weise um die Verständigung zwischen Menschen und Völkern sowie um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht haben.
Seyla Benhabibs Publikationen zum Zusammenleben von Zivilgesellschaften, die immer wieder im Zeichen von Globalisierung, internationaler Migrationsströme und anwachsender Multikulturalität mit Spannungen und Konflikten zwischen unterschiedlichen Werte-Orientierungen von Individuen und Gruppen belastet sind, haben weltweit und vielfach Beachtung gefunden. Im Mittelpunkt ihres Denkens steht die diskursethische Begründung und Durchsetzung eines Menschenrechts auf Gastfreundschaft gegenüber dem Fremden, eines universalen Anspruchs, dem moralisch und rechtspolitisch ein Vorrang gegenüber den bedingt berechtigten Interessen einzelner souveräner Demokratien an der Regelung ihrer Staatsbürgerzugehörigkeit gebührt.

