Dr. Leopold Lucas-Preis
Der mit 50.000 EUR dotierte Dr. Leopold Lucas-Preis würdigt alljährlich hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Theologie, der Geistesgeschichte, der Geschichtsforschung und der Philosophie. Er ehrt dabei insbesondere Persönlichkeiten, die zur Förderung der Beziehungen zwischen Menschen und Völkern wesentlich beigetragen und sich durch Veröffentlichungen um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören namhafte Wissenschaftler wie Karl Rahner, Paul Ricoeur, Karl R. Popper, Michael Walzer, Michael Theunissen und Bischof Eduard Lohse, Repräsentanten des religiösen Lebens wie Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama oder der polnische Erzbischof Henryk Muszynski, sowie der Kultur und Politik wie Léopold Sédor Senghor, der frühere senegalesische Staatspräsident und Richard von Weizsäcker.
Die Auszeichnung wurde 1972 von dem am 9. Juli 1998 verstorbenen Generalkonsul Franz D. Lucas, ehemals Ehrensenator der Eberhard-Karls-Universität, zum 100. Geburtstag seines in Theresienstadt umgekommen Vaters, des jüdischen Gelehrten und Rabbiners Dr. Leopold Lucas gestiftet. Die Evangelisch-theologische Fakultät vergibt den Preis alljährlich im Namen der Universität Tübingen.
Aktueller Preisträger: Giorgio Agamben
Den diesjährigen Dr. Leopold Lucas-Preis verleiht die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Tübingen im Namen der Universität Tübingen am 14. Mai 2013 dem italienischen Philosophen und Staats-theoretiker Giorgio Agamben. Agamben lehrt als Professor für Ästhetik an der Facoltà di Design e Arti della IUAV in Venedig und gilt als einer der meistdiskutierten Philosophen der Gegenwart. Der Dr. Leopold Lucas-Preis ist mit 50 000 Euro dotiert. Mit der Auszeichnung werden Persönlichkeiten gewürdigt, die sich auf den Gebieten der Theologie, der historischen Geisteswissenschaften und Philosophie durch hervorragende Leistungen in besonderer Weise um die Verständigung zwischen Menschen und Völkern sowie um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht haben.
Dem internationalen Publikum wurde Giorgio Agamben vor allem durch sein Hauptwerk Homo sacer bekannt, in dem er die Nachtseite, das Gewalt- und Herrschaftsförmige der Moderne mit einer Eindringlichkeit zur Sprache brachte, wie es seit Horkheimers und Adornos Dialektik der Aufklärung nicht mehr geschah. In seinen Schriften befasst sich Agamben mit einem breiten Spektrum von sprachphilosophischen, erkenntnistheoretischen, ästhetischen, ethischen, theologischen und politischen Fragen. Dabei haben insbesondere seine Schriften zur politischen Philosophie internationale Aufmerksamkeit erregt, weil sie eine kritische Diagnose der Gegenwart mit einer großen geschichtsphilosophischen Erzählung verbinden.


